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Worte für den Juni 2018

Liebe Gemeinde,

 

was hat die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 mit dem sogenannten Johannisfeuer und Spargel zu tun? Alle Fußballfans sind bereits in der Aufwärm-Phase der Spiele, die ab Mitte dieses Monats in Russland stattfinden werden. Kurz vor dem Ende der Gruppenspiele wird vielerorts – unter anderem an der St. Georg Kirche in Hoppegarten – in der Johannisnacht das Johannisfeuer angezündet. Es ist die Nacht auf den Johannistag, vom 23. auf den 24. Juni. Dieser Festtag geht in der Tradition der Kirche auf das Datum der Geburt Johannes´ des Täufers zurück. Er ist sechs Monate vor der Geburt Jesu Christi (Weihnachten bzw. Wintersonnenwende) als Sohn des jüdischen Priesters Zacharias und seiner Frau Elisabeth in Palästina geboren. Der Täufer hat insoweit mit Feuer zu tun, weil er sagte, dass Christus mit „Feuer und im Geist“ taufen werde (Mt 3,11). Da dieses Datum im Zusammenhang mit der Sommersonnenwende (zwischen dem 20. und dem 24. Juni) steht, verbindet man es auch mit anderen Bräuchen. Einer von ihnen hängt direkt mit dem Feuer zusammen und zwar springen Burschen und Mädchen mancherorts bei Tanz und Musik über das Johannisfeuer. Dem Volksglauben nach soll der Sprung über das Feuer reinigen und vor Krankheiten schützen. Darauf deuten auch die Strohpuppen hin, die man in manchen Gegenden ins Feuer wirft („Hanslverbrennen“). Insbesondere sollten auch Hagelschäden abgewehrt werden, daher wird das Johannisfeuer auch als Hagelfeuer bezeichnet.

Ein weiterer Brauch ist das Sammeln von sieben Kräutern, die um den Termin blühen. Aus ihnen werden „Johannissträuße“ bzw. „Johanniskränze“ gemacht, die dann das ganze Jahr über im Haus hängen bleiben. Der Johannistag ist grundsätzlich als Bauernregeltag in der Überlieferung für die Landwirtschaft und das Wetter von zentraler Bedeutung. Nicht nur Johannisbeere und Rhabarber erreichen um den Termin ihre Reife, sondern auch der besonders in unserer Gegend beliebte Spargel. Nicht per Zufall trägt der Johannistag auch den Beinamen „Spargelsilvester“. Die dazu passende Bauernweisheit lautet: „Bis Johanni nicht vergessen: Sieben Wochen Spargel essen“. Als gelernter Koch und Konditor ist mir auch bekannt, dass früher um diese Zeit herum das Backen von „Hollerküchel“ (Holunderkuchen) oder „Johanniskuchen“ verbreitet war. Im Elsass wurden Letztere am Festtagsmittag im noch warmen Zustand nach Hause getragen, woher die Redensart „Hans Dampf in allen Gassen“ stammt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Appetit und eine große Begeisterung beim Anfeuern der Fußballspiele!

Pfr. Robert Chalecki, Pfarrvikar in St. Georg