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Worte für den Oktober 2020

Danke

Bestimmt haben viele von Ihnen Ihren Urlaub in diesem Jahr im Ausland geplant und mussten – ähnlich wie ich – wegen der Covid-19-Pandemie auf ferne Länder und Gaumenschmäuse verzichten. Zum Glück haben wir auch schöne Landschaften in unserer Umgebung und ein gutes Restaurant kann man auch finden. Ich selbst habe kürzlich die Küche Griechenlands verkosten dürfen. Nach dem köstlichen Essen fiel mein Auge auf die Serviette, auf der die nötigsten Alltagswörter abgelichtet wurden. Bei einem Wort bin ich hängen geblieben: ευχαριστώ (efcharistó), „Danke“. Da ich in meinem Theologiestudium Altgriechisch gelernt habe, war mir dieser Begriff sehr wohl bekannt. Ich habe mit ihm eigentlich jeden Tag zu tun. Jedes Mal, wenn ein Priester die hl. Messe feiert, dann feiert er die Eucharistie, d.h. die Danksagung - εὐχαριστέω (eucharistéo). Der Ursprung dieses Rituals liegt im jüdischen Pessah-Fest. Bei dem feierlichen Mahl werden Lobpreis und Dank über Brot und Wein ausgesprochen. Diese Gaben vergegenwärtigen die Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens und den Einzug in das verheißene Land Israel. Die Christen wiederum vergegenwärtigen unter diesen Zeichen den Tod und die Auferstehung Jesu Christi in der Eucharistiefeier.

Es ist also eine Danksagung für die Liebe Gottes, der in seinem Sohn der Welt und somit auch uns die Schuld vergeben hat.

Zugleich ist es auch eine Bitte um ein dankbares Herz. Jedes Jahr im Herbst haben wir aber alle die Möglichkeit „Danke!“ zu sagen. Danke für die Erntegaben, Danke für jeden Tag des eigenen Lebens und des Lebens der Mitmenschen. Danke für … Trotzdem vergessen wir oft zu danken. Nur ein dankbares Herz übersieht das materielle und vor allem das geistige Elend der Mitmenschen nicht. Die jährliche Erntegaben-Sammlung, die die Kirchen für die Bedürftigen machen und an die verschiedenen Hilfsorganisationen abgeben, sind keine bloßen Gesten von „Gutmenschen“. Angesichts der großen Not ist es sowieso eher nur ein symbolisches Zeichen. Trotzdem ist es eine Geste der Solidarität und Verbundenheit mit den Menschen, die auf Ungerechtigkeit und vor allem auf Undankbarkeit der anderen gestoßen sind. Ja, es ist oft unser eigener Egoismus, der uns in eine neue Sklaverei des Konsums treibt. Der heutige Mensch „besitzt“ nicht nur materielle Gegenstände, sondern sieht irgendwann alles als seinen Besitz an: seinen Partner, seine Kinder und sein soziales Ansehen. Mögen uns die letzten Monate eine Lehre sein, dass das, was uns wirklich bereichern kann, die Begegnung mit anderen Personen ist; dass alles, was wir sind und haben, ein Geschenk des Gottschöpfers ist. Dieses Geschenk kann man nur in einer Atmosphäre der Dankbarkeit annehmen und feiern. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes und fröhliches Erntedankfest.

Ihr Pfarradministrator, Pfr. Dr. Robert Chalecki