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Worte für den Januar 2018

Das Geschenk des Lebens! Betrachtungen zum neuen Jahr

Wieder ein neues Jahr! Herzlich Willkommen im Jahr 2018! Geht es ihnen auch so? Das ist doch jetzt niemals ein ganzes Jahr her, dass wir auf das Jahr 2017 angestoßen haben. Ist es schon wieder so weit? Je älter man wird... – naja, Sie kennen das ja bestimmt.
Das neue Jahr gibt uns Gelegenheit, einen Moment innezuhalten. Wir leben also, auch im Jahre 2018. Das Leben ist ein Geschenk. Oder? Sehen Sie das auch so? Nicht alle teilen diese Meinung. Ich kenne junge Menschen, die nicht dieser Meinung sind. Im Gegenteil, niemand hätte sie gefragt, ob sie denn überhaupt leben wollen. Sie seien nicht nach ihrer Meinung gefragt worden. Gerade bei einer solchen Ansicht wird deutlich, dass das Leben nicht unser Werk ist, sondern von außen an uns herangetragen wurde. Dafür können wir dankbar sein. Wir Christen glauben, dass jemand unser Leben gewollt hat und deshalb kein Zufall ist.
Gleichzeitig ist es doch unser Leben. Auch wenn wir nicht entschieden haben, zu leben, also auf die Welt zu kommen und weder Zeit noch Ort noch Aussehen und Umstände ausgesucht haben, ist es doch zutiefst „unser“ Leben. Es ist uns geschenkt und wir dürfen es leben.
Zu Beginn dieses Jahres steht also die Frage im Raum: wie muss mein Leben sein, dass ich es als gelungen betrachte? Was ist ein gutes Leben?
Manchmal beantworten Menschen diese Frage, wenn sie anderen – etwa zum Geburtstag oder zum neuen Jahr – etwas wünschen. „Hauptsache gesund!“ höre ich ziemlich oft. Gesundheit ist ohne Zweifel ein wichtiges Gut. Hier jedoch muss ich auf meine jungen Freunde zurückkommen, deren Leben nicht als Geschenk empfunden wird. Die sind alle kerngesund. Und kreuzunglücklich. Gesundheit alleine macht also noch kein gelungenes Leben. Was braucht es aber dann?

Wenn das Leben also ein Geschenk ist, dann trägt der Geschenk-Charakter des Lebens vielleicht schon die Antwort in sich. Ein Geschenk zeichnet sich dadurch aus, dass es freiwillig ist, dass es eben nicht Pflicht, sondern mehr als das ist: eben ein Geschenk. Dass es nicht hätte sein müssen, nicht Pflicht, sondern Kür ist, dass es über das „Erwartbare“ hinausgeht. Vielleicht liegt hier – am Rande gesagt – das Problem der Geschenke an Weihnachten: wir erwarten sie ja, sie sind nicht selten Pflichterfüllung und deshalb schon keine wirklichen Geschenke mehr im eigentlichen Sinne des Wortes.
Wenn das Leben ein Geschenk ist und wenn ein Geschenk das ist, was nicht hätte sein müssen, dann zeigt sich, dass das Geschenk als „extra“ das ist, wovon wir eigentlich leben. Anders gesagt: dass wir von dem, was über das Notwendige hinausgeht, leben. Ja, dass das Zusätzliche das eigentlich Notwendige ist.
Wem das zu philosophisch ist: dass, was uns wirklich leben lässt, d.h. zufrieden sein lässt und uns den Eindruck vermittelt, dass unser Leben gelungen ist, sind nicht materielle Dinge allein (also das Notwendige, das wir zum biologischen Leben brauchen), sondern eben die Dinge, die zusätzlich scheinen, also nicht sein müssten (und doch eigentlich notwendig sind): ein Sinn im Leben, Freundschaften, Dankbarkeit. Das gibt uns auch eine Anleitung zum guten Handeln: nicht der lebt gut, der nur das Notwendigste für andere tut und immer rechnet, was in der Beziehung zu anderen noch ausreicht, sondern derjenige, der großzügig ist, der auch da noch gibt, wo eigentlich nichts mehr zu erwarten ist. Das gilt für materielle Dinge ebenso wie für geistige Güter: wer zum Beispiel schon einmal Vergebung erfahren hat, wo nicht hätte vergeben werden müssen, ahnt, wie nahe das einem gelingenden Leben kommt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes Jahr 2018!


Kaplan Marc-Anton Hell