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Worte für den Februar 2019

Es geschah am Valentinstag
Als jeder Vogel kam, um seinen Partner zu wählen.
Geoffrey Chaucer: Parlement of Foules 1382

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Vielleicht ist es nicht allen bekannt, aber das Brauchtum, den Valentinstag als Tag der Liebenden zu begehen, geht zurück auf den Festtag für die römische Göttin Juno Februata, weil Mitte Februar die Paarungszeit der Vögel beginnt. Juno, der Schützerin von Ehe und Familie, wurden an diesem Tag Blumen geopfert; den Frauen in den Familien wurden an diesem Tag Blumen geschenkt. Um den 13. bis 15. Februar fanden schon zuvor im Römischen Reich die Lupercalien statt, ein antiker Fruchtbarkeitsritus. Die Frauen schrieben dabei ihre Namen auf Papyrusstreifen und ließen junge Männer diese Briefchen ziehen. Die Christen änderten den Brauch, indem sie die Namen von Heiligen und kurze Predigten – darunter auch des damals in vielen Städten Mittelitaliens verehrten Valentins – auf Zettelchen schrieben und unters Volk brachten. Valentin von Rom, den man immer wieder mit anderen Trägern dieses Namens verwechselt, war der Überlieferung nach ein armer, ehrsamer Priester. Den Hilfe und Trost Suchenden schenkte er eine Blume aus seinem Garten. Trotz eines Verbotes des Kaisers Claudius II. traute er Liebespaare nach christlichem Zeremoniell und half in Partnerschaftskrisen, deshalb wurde er am 14. Februar 269 enthauptet. Vor seiner Hinrichtung soll er ein Wunder vollbracht haben, indem er Julia, die blinde Tochter seines Aufsehers Asterius, heilte und diese dann mit ihrer gesamten Familie zum Glauben an Jesus kam. Im Mittelalter kam der Brauch, Valentin als Patron der Liebenden zu feiern, zunächst in Frankreich, Belgien und England auf. In England schickte man sich am Valentinstag anonyme Liebesbriefe, in Frankreich und Belgien. Später auch in Amerika, gab es vom 14. Jh. an den Brauch, mit einem Los Valentin und Valentine zu bestimmen, die dann für ein Jahr in einer Art Verlobung miteinander verbunden blieben. Dazu gehörten ein Festmahl, Wettbewerbe zu Liebesliedern und –poesie, Turnierkämpfe und Tanz. Ab dem 18. Jhd. begrenzte man sich auf Valentinskarten mit Versen. Seit dem 19. Jhd. abgesehen von Blumen und Pralinen in Form eines Herzens schenkte man sich auch Schmuck.
Im deutschsprachigen Raum verbreitete sich der Brauch der Blumengeschenke nach dem 2. Weltkrieg durch den Einfluss aus den USA – die Blumenhändler erklärten diesen Tag 1950 als „Tag der offenen Herzen“.
In Italien treffen sich die Liebespaare meist an Brücken. Dort wird oft ein sogenanntes „Liebesschloss“ angebracht, auf das die Liebenden ihre Initialen, manchmal mit Datum schreiben. Die Partner werfen ihre Schlüssel ins Wasser und wünschen sich etwas. Obwohl die Wünsche danach nicht geäußert werden sollen, wünschen sich die meisten, die ewige Liebe gefunden zu haben.
Auch ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben, nicht nur zum 14. Februar, sondern für jeden Tag Ihres Lebens diese, bereits biblische, urmenschliche Wahrheit zu beherzigen: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt“ (Gen 2,18). Trotz der steigenden Kommerzialisierung des Valentinstags kann es uns nämlich nicht um eine verkäufliche, zuckersüße, zeitbegrenzte und nur auf sich selbst fixierte Liebe gehen. Eine solche Liebe ist dann sehr „billig“ und falsch. Es muss uns vielmehr um eine Liebe gehen, die verantwortlich ist für den anderen und für sich selbst; eine Liebe, die nicht fordert, sondern dient und vergibt; eine Liebe, die sich selbst vergisst um des anderen willen; eine Liebe, die jeden Tag von neuem beginnt. Ja, eine Liebe, die ein großes und offenes Herz hat. Nur eine solche Liebe kann ewig sein in der Ehe und fruchtbar in der Familie.

Pfarrer Robert Chalecki