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Worte für den Juli 2020

„Corona-Priester“

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Eigentlich wollte ich Ihnen eine schöne Postkarte von meinem, ursprünglich auf dem anderen Teil unseres Globus geplanten, Urlaub schicken.

Leider musste ich, wie auch wahrscheinlich viele von Ihnen, aus den allen bekannten Gründen den Flug canceln. Nun bin ich in meiner Heimat – Polen –, die auch viel zu bieten hat. Ich genieße hier meine lang ersehnte Freizeit. Ja, rückblickend waren die letzten Monate für mich, meine Mitarbeiter und diejenigen, für die ich meinen Dienst tue, sehr intensiv und oft sehr schwierig. Zugleich haben mir die Ereignisse – vor allem die der letzten Wochen – viel Hoffnung für die noch unbekannte Zukunft geschenkt.

Mein Praktikant und ein treuer Mitkämpfer in der Zeit der Pandemie – Diakon David Hilus –, dessen Artikel Sie auf den Seiten dieser Zeitung bereits lesen konnten, ist am 13. Juni 2020 Priester geworden. Der Erzbischof von Berlin, Dr. Heiner Koch, hat ihm und weiteren vier Männern an seinem 66. Geburtstag und seinem eigenem 40-jährigen Priesterjubiläum die Priesterweihe durch Handauflegung und Salbung der Hände mit dem so genannten Chrisam-Öl (Chrisam – wohlriechende Mischung aus Balsam und Olivenöl) gespendet. Diese Salbung hat einen deutlichen Bezug zur Heiligung und zur Darbringung des Opfers, die der Priester im Namen Gottes für die ihm anvertrauten Menschen vornimmt. Darüber hinaus besteht sein Dienst im Lehren und später als Pfarrer in der Leitung der Gemeinde. Er handelt jedoch nicht aus eigener Kraft oder aus moralischer Vollkommenheit heraus, sondern in der Person Christi. Die Priesterweihe ist also kein Karriereaufstieg von dem Amt des Diakons zum Priesteramt – als Kaplan, Pfarrer, Bischof oder sogar Papst. Jeder Priester, sogar der Papst, bleibt lebenslang ein Diakon (Diakonia = Dienst) – ein Diener Gottes und seines Volkes.

Ich freue mich sehr, dass Kaplan David Hilus mich von nun an – voraussichtlich ein Jahr lang – noch intensiver unterstützen kann im Dienst für die Pfarreien St. Georg, Hoppegarten und St. Hubertus, Petershagen. Vielleicht fragt sich der eine oder andere: „Gibt’s heutzutage noch solche Exoten und wenn ja, was treibt denn so einen an – gerade in diesen unsicheren Zeiten – eine solche Lebensform zu wählen?“ Ich kann Ihnen versichern: Gerade die aktuelle globale Krise hat den Ruf Gottes in David, aber auch in mir, verstärkt und bestätigt. Zusammen konnten wir immer wieder feststellen: Es gibt nichts Schöneres in dieser Welt, als wenn man Kinder, Jugendliche, Senioren, Kranke, Sterbende und Trauernde in ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens begleiten darf. Es gibt nichts Größeres, als wenn man sich vor den Menschen klein machen kann, um mit ihnen zu sein und ihnen zu dienen. Egal ob live oder virtuell, im Gespräch oder im Gebet, in der Schule, im Krankenhaus oder in der Kirche. Hauptsache, ich bin für Dich da, ich höre Dir zu, ich schaue mit Dir hoffnungsvoll in die Zukunft, die uns jeden Tag neu geschenkt wird: „Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht und das notwendigste Werk ist immer die Liebe.“ (Meister Eckhart, um 1260-1328).

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine erholsame und gesunde Sommerzeit mit Ihren Familien, Freunden und Bekannten, denen wir unsere Liebe erweisen dürfen!

Pfarradministrator, Pfr. Dr. Robert Chalecki