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Worte für den Juni 2020

Eine komische Frage

"Haben Sie den Gorilla gesehen?“ Ich weiß: komische Frage. Ganz genau das dachten sich auch die Probanden eines Experimentes des US-amerikanischen Hirnforschers Daniel J. Simons. Zwei Teams mit jeweils drei Personen warfen sich auf einem Gang vor einem Aufzug einen Basketball zu. Team eins hatte schwarze, Team zwei hatte weiße T-Shirts an. Die Probanden mussten zählen, wie viele Male der Ball im weißen Team den Besitzer wechselt. „Fünfzehnmal ist die richtige Antwort.“, bestätigte ihnen der Doktor, „doch haben Sie den Gorilla gesehen?“ Inmitten des Ballspiels tauchte plötzlich ein Mann im Gorillakostüm auf und posierte wild. Die meisten Probanden hatten ihn jedoch überhaupt nicht wahrgenommen. Ihr Fokus war ganz auf den Ball gerichtet, sodass alles andere ausgeblendet wurde. „Unaufmerksamkeitsblindheit“ wird dieses Phänomen in der Hirnforschung genannt, bei welchem in kleines Areal der Netzhaut vorsortiert, was jetzt gesehen werden muss und was nicht. Wenn der Fokus nicht auf dem Gorilla liegt, wird dieser schlichtweg übersehen. Multitasking entspricht nicht den Gegebenheiten des menschlichen Gehirns.

Nun wird man einwenden können, es handele sich hier doch nur um einen Mann im Gorillakostüm. Den könne man gerne missen. Doch zeigt das Experiment, dass auch wir wirklich nur das wahrnehmen, nur lösen können, was wir auch gezielt in den Blick nehmen. Und was übersehen wir dabei? Welche der vielen wichtigen Aufgaben in Familie, bei Freunden, in der Arbeit nehmen wir heute in den Blick? Wen und was werden wir dabei schlichtweg übersehen? Welche Chance ergreifen wir, welche vertun wir? Man könnte schier verrückt werden vor all den Möglichkeiten, die einem vor Augen stehen. Worauf sich also fokussieren?

Im Christlichen gibt das Evangelium da eigentlich eine ziemlich genaue Anleitung. „Schaut die Lilien auf dem Feld an, sie arbeiten nicht, sie spinnen nicht. Selbst Salomo war in seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Sollte er das nicht für euch tun? Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.“ Also Fokus auf das Heute. Und Fokus auf Gott. Sie haben ihn nicht gesehen? Schauen Sie genauer hin.

Diakon David Hilus
und die katholische Kirchengemeinde St. Georg Hoppegarten