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Worte für den September 2017

 

Wo waren Sie im Urlaub? Auf Balkonia? In Gardenia? Oder doch weiter weg? Wo auch immer Sie waren – Sie hatten (hoffentlich) mit Menschen zu tun. Um exotischen Menschen zu begegnen, muss man nicht immer in die Karibik fliegen. Manchmal reicht der Blick über den Zaun hin zum Nachbarn oder einfach nur auf die andere Seite des Ehebettes. Ist es nicht faszinierend – wohlgemerkt, bei allen Gemeinsamkeiten! –  wie unterschiedlich wir alle sind?

Als Kardinal Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., einmal gefragt wurde, wie viele Wege es zu Gott gäbe, antwortete dieser: So viele, wie es Menschen gibt. Davon weiß gerade die katholische Kirche in ihrer 2000jährigen wechselvollen Geschichte einiges zu berichten. Großmut und Niedertracht, menschliche Größe und auch der Verrat aller christlichen Ideale kommen in dieser Geschichte zusammen. Die bereits zwei Jahrtausende andauernde Geschichte der Kirche ist alles – nur nicht langweilig. Das liegt daran, dass diese Geschichte eine Geschichte Gottes mit den Menschen ist. Und Menschen nun mal freie Wesen sind, die einer gewissen Schwerkraft unterliegen, hin zum Allzu-Menschlichen. Diese Geschichten sind meist die Faszinierendsten. Unsere Medien, wie überhaupt unsere ganze Welt der Information, leben von der Sensation. Und Sensationen sind in der Regel schlechte Nachrichten. Die verkaufen sich im Allgemeinen auch viel besser.

Aber wir sprechen ja über die Vielfalt der menschlichen Spezies. Neben Egoistischem und Abgründigem gibt es auch menschliche Größe. Menschen, die über sich hinausgewachsen sind. Und sich dadurch einen Platz in der Geschichte gesichert haben. Bei aller Unterschiedlichkeit.

Hierfür gibt es ein bewegendes Beispiel aus der Kirchengeschichte. Und zwar im ausgehenden 16. Jahrhundert. In Rom – wo sonst. Zwei der Großen, die beide Einfluss auf die Kirchengeschichte haben sollten. Auf der einen Seite Philipp Neri. Seine Berufung war es, sich um Straßenkinder in Rom zu kümmern, die damals ein erstes Problem darstellten. Er sammelte sie um sich, gab ihnen ein Dach über den Kopf, aber noch viel wichtiger, er vermochte ihnen ein inneres Zuhause zu geben, wo sie wuchsen, erzogen wurden und eine echte Heimat fanden. Philipp war dabei in ganz Rom bekannt als Spassvogel. Kein Adeliger oder sonst jemand, der sich wichtig nahm, war vor ihm sicher. Er äffte sie nach, ließ sich eine Hälfte seines Bartes scheren, um dann mit lautem Lachen durch die Stadt zu ziehen, mit einem Purpurmantel bekleidet, um die feinen Herren nachzuahmen. Einmal soll ihm sogar die Mutter Jesu, Maria, erschienen sein. Als sie da in ihrem leuchtenden Gewand vor ihm steht, spuckt er ihr ins Gesicht. Da verwandelte sich die Gestalt in den Teufel. Wie hast du mich erkannt? fragt der Widersacher. Glaubst du, dass die Jungfrau Maria mir, einem armen Sünder, erscheinen würde? gibt er zur Antwort.

Auf der anderen Seite wirkte zu gleicher Zeit ein anderer Heiliger, an dessen Ernsthaftigkeit schon bei erster Begegnung wohl kein Zweifel blieb. Ignatius von Loyola entstammte dem spanischen Militär, gründete einen der einflussreichsten Orden der katholischen Kirche, die Jesuiten (ihnen gehört auch Papst Franziskus an), die sich auch Soldaten Gottes nennen und deren Oberster General genannt wird.

Philipp und Ignatius verstanden sich wohl auch nicht wirklich. Als Philipp Neri einmal gefragt wurde, was er denn tue, wenn er nicht mehr weiter wüsste, antwortete er: Dann überlege ich, was Ignatius tun würde – und tue dann das Gegenteil! Sicherlich auch dies eine seiner spassigen Antworten, die jedoch tief blicken lassen.

Die katholische Kirche hat beide am gleichen Tag, in der gleichen Zeremonie heilig gesprochen. Ihre Namen wurden also zusammen ausgesprochen. Dies geschah eingedenk der Tatsache, dass wir Menschen eben alle unterschiedlich sind, manchmal sogar sehr. Ignatius und Philipp sind zwei sehr unterschiedliche Menschen, deren Wege zu Gott sehr unterschiedlich waren.

Genau deswegen gibt es verschiedene Wege zu Gott. Sogar so viele, wie es Menschen gibt.