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Worte für den Juli 2017

 

Über das Loslassen

 

Wie ist ihr Tag heute? Zufrieden? Glücklich? Die heißesten Monate des Jahres sind da! Und mit ihnen auch die Sommerferien, für viele willkommene Abwechslung im Alltagstrott. Zeit, um sich zu entspannen und um zu genießen. Darauf arbeiten wir ja schließlich hin in unserem Leben: um zu leben und mit Leben meinen wir doch: genießen. Doch davon ist oft nicht viel zu spüren: das Wochenende mit all den Verabredungen und Verpflichtungen übervoll und selbst wenn es dann in den Urlaub geht, kommt im schlimmsten Fall noch etwas dazwischen. Neulich habe ich von einer Familie erfahren, die am Tag vor dem langersehnten Abflug in ein exotisches Land feststellen musste, dass in ihr Haus eingebrochen wurde... all die erhoffte Entspannung dahin.

Wenn wir ehrlich sind, leben wir oft bedingungsweise. Wir stellen unserem Leben Bedingungen: wenn dieses Problem gelöst ist, dann kann ich endlich... Wenn dieser Stress vorbei ist... Wenn der Kredit abbezahlt ist... Wenn die verdiente Rente erreicht ist... Wir stellen unserem Glück Bedingungen. Wir glauben, Zufriedenheit gäbe es nur zu unseren Konditionen. Und wir vergessen, was die spirituellen Meister den Menschen aller Generationen immer schon geraten haben: heute fange an zu leben! Mit all den Schwierigkeiten! Warte nicht, bis sie gelöst sind, dann tauchen neue auf... Lebe im Heute! Im Augenblick! Das Glück wartet jetzt auf dich!

 

So ist in den USA ist ein ganzer neuer Industriezweig dabei, sich dieses alte Grundprinzip zu Nutze zu machen: Magazine, teure Vorträge, Bücher, Coaching am Arbeitsplatz, Apps fürs Handy, die nichts weiter tun, als die Menschen zu erinnern, JETZT zu leben. Das Handy erinnert: setz dich hin für einige Minuten und atme! Das, was heute mit teuren technischen Hilfsmitteln in Erinnerung gerufen werden soll, steht schon in der Bibel.

Jesus hat im Evangelium dazu gesagt: Sorget euch nicht um euer Leben. Euer himmlischer Vater weiß, was ihr alles braucht! (Mt 6,25ff)

Gleichzeitig hat Jesus auch davon gesprochen, sein Kreuz auf sich zu nehmen. Und in Bezug auf das eigene Glück sagt er: wer sein Leben retten will, wird es verlieren (Mt 16, 24). Was meint Jesus damit? Dass das Glück immer auch eine Frage der inneren Einstellung ist. Wer glücklich sein will, muss loslassen. Und zwar all unsere Vorstellungen vom Leben, vom Glück.

Heute im Stau? Ein Wasserschaden? Ein krankes Kind? Zu heiß? Auch wenn ich mir den heutigen Tag anders vorgestellt habe, loszulassen. Und zu schauen, wie es sich lebt. Denn das wussten die alten Meister: das Glück hängt nur sehr lose von den Äußerlichkeiten des Lebens ab. Nein, die innere Zufriedenheit kommt eben von innen. Und da muss ich loslassen. Solange ich der Überzeugung bin, ich bin erst dann zufrieden, wenn meine Bedingungen erfüllt sind, kann ich lange warten. Denn es kommt erstens anders und zweitens als man denkt.

Woher ich das weiß? Nun, ich saß an Krankenbetten mit Personen, die zufriedener waren als die meisten Gesunden.

Sich darauf einzulassen und an das Wort Jesu zu glauben, dass unser himmlischer Vater weiß, was wir brauchen, heißt, anzufangen wahrhaft zu leben. Und da beginnt das Glück und die innere Zufriedenheit. Denken Sie daran, wenn es das nächste Mal nicht so läuft wie geplant. In diesem Sinne: einen glücklichen und zufriedenen Sommer uns allen!

Kaplan Marc-Anton Hell