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Worte für den Februar 2018

Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt

Über den Sinn des christlichen Karnevals

Die fünfte Jahreszeit hat bereits begonnen! Die kommenden Wochen bilden den Höhepunkt der Faschingszeit oder des Karnevals. Diese verrückte Zeit ist besonders in katholischen Gebieten verbreitet. Das liegt daran, dass die Zeit der „Jecken“ sich am christlichen Kalender orientiert. Entstanden ist der Fasching als ausgelassene Feier-Zeit vor der Fastenzeit. Diese Vorbereitungszeit auf das Osterfest dauert 40 Tage, wobei die Sonntage jeweils vom Fasten befreit sind. Die Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch. An diesem Tag lassen sich Katholiken auf der ganzen Welt ein Aschekreuz auf die Stirn zeichnen als Zeichen der Umkehr und Buße. Bevor also die Zeit beginnt, in der so mancher auf Fleischprodukte, Alkohol, Süßes oder gar auf Handy und Fernsehen verzichtet, wird nochmal so richtig auf den „Putz“ gehauen. Das Wort „Fasching“ leitet sich von „Fastenschank“ her, also des letztmaligen Ausschanks alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit. Das Wort „Karneval“ stammt von „carne vale!“, vom etwas wehmütigen „Auf Wiedersehen, Fleisch!“.
Der Beginn der fünften Jahreszeit wird ja oft für den 11. November um 11.11 Uhr angegeben. Auch hier ist der Grund für das Datum der christliche Festkalender der Vergangenheit. Vor dem Weihnachtsfest am 25.12. gab es ebenfalls eine Fastenzeit zur Vorbereitung auf das Fest der Geburt des Herrn. Sie begann am 12.11. Eine gute Gelegenheit, vorher ausgiebig zu feiern. Zu diesem Zeitpunkt wurden Höfe und Grundstücke winterfest gemacht, Löhne und Pacht bezahlt und das Gesinde wechselte. Der Brauch der Martinsgans hat hier ihren Ursprung.
Der Höhepunkt der Karneval-Saison naht nun. Je nach Landstrich variieren Namen und Bräuche. Vielerorts herrscht die sprichwörtliche Narrenfreiheit, die schon aus dem Mittelalter stammt. In dieser Zeit wurde nur selten von Seiten der Obrigkeit eingegriffen. Herren und Knechte saßen am gleichen Tisch mit gleichen Rechten und Redefreiheit. Teilweise regierten Narren ganze Städte tageweise. Mancherorts durften diese Aufgabe sogar Kinder oder Unmündige übernehmen. Das öffentliche Leben wurde lächerlich gemacht und auf den Kopf gestellt. Nach Altweiberdonnerstag, Nelkensamstag, Rosenmontag (der Name stammt übrigens nicht von „Rosen“, sondern „rasen“) und Faschingsdienstag vereint dann bei aller Unterschiedlichkeit ein Brauch alle „Jecken“: um Mitternacht ist aller Spuk vorbei, die Zeit der Ausgelassenheit vergangen und die alte Ordnung wiederhergestellt. Der Aschermittwoch beginnt und damit die Fastenzeit. Dieses Jahr am 14. Februar. Getreu dem sehr katholischen Motto der Heiligen Theresa von Avila: wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn (=wenn feiern, dann richtig!) und wenn Fasten, dann Fasten!

Kaplan Marc-Anton Hell

Pfarrer von St. Georg, Hoppegarten