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Worte für den August 2018

Liebe Gemeinde,

Liebe Leser,

nun ist der Moment gekommen, mich zu verabschieden. Zweieinhalb Jahre habe ich als katholischer Seelsorger in dieser Gegend gewirkt. Zeit, zurückzublicken. Das Leben eines Priesters ist sehr vielfältig, jeder Tag ist anders, nie langweilig. Jeden Abend, beim Zubettgehen, lasse ich den Tag Revue passieren. Und stelle fest, wie voll er ist, voll bis an den Rand. Dabei ist die Bandbreite dessen, was in mein Aufgabengebiet fällt, kaum auf einen Nenner zu bringen. Alles, was eben in den Bereich der Leitung einer Kirchengemeinde fällt. In einem Moment beschäftige ich mich mit den besonderen Eigenschaften eines Fugenmörtels, der bei der Sanierung unserer Kirche St. Georg zum Einsatz kommen soll, dann im nächsten Augenblick bin ich schon auf dem Friedhof zur Beisetzung einer alten Dame, die kaum soziale Kontakte hatte. Von technischen Detailfragen über menschliche Abgründe bis hin zum Texteschreiben beispielsweise für das Neuenhagener Echo ist mir nichts fremd. Der Besuch bei einem Krebspatienten im Endstadium, das Gespräch mit einer Schülerin, die eigentlich nur um den Pfarrer als Interviewpartner für die Schulklausur bat, das sich plötzlich um persönliche Schuld, Tränen und den Sinn des Lebens dreht, das Einüben eines neuen Liedes für die Freizeitfahrt mit Jugendlichen, das scherzende Miteinander am Abendbrottisch einer Familie, die mich eingeladen hat – all das ist Alltag eines Priesters. Daneben stehen allerdings auch „Schreibtischthemen“ wie Brandschutz, GEMA, Datenschutz und Bautätigkeiten. Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, tägliche Gottesdienste, persönliches und gemeinschaftliches Gebet gehören zu meinen häufigen Aufgaben. Es sind die menschlichen Abgründe (z.B. bei der Beichte), aber auch Höhepunkte des menschlichen Lebens (etwa ein diamantenes Jubiläum), über die ich immer wieder staunen darf. Was ist der Mensch? Was ist die richtige „Betriebsanleitung“ für ihn? Wie lebt man richtig als Mensch? Wieso immer dieses Gefühl (und da kann man besitzen, was man will), dass etwas fehlt?
Mit solchen Fragen kommt eine ungetaufte Mutter. Ich habe beileibe nicht immer die Antworten. Aber DIE Antwort. Auf ihr basiert mein Leben als Priester, als Seelsorger. Dass nicht alles Zufall ist. Dass es da etwas gibt, was uns am Leben hält. Jemanden gibt, der uns gewollt hat. Das ist das fehlende Puzzleteil, der Deckel für die Lücke, die Füllung für das Loch, das ich bei allen Menschen sehe. Dass es eine Liebe gibt in unserem Leben, die wir so oft einfach übersehen. Dass es Gott gibt, und er eine Beziehung zu uns will. Gemeinsam mit den Menschen eine solche Entdeckungsreise hin zu dieser Liebe zu machen – dafür haben sich diese Jahre in der Kirchengemeinde St. Georg gelohnt.

Marc-Anton Hell